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Lauf doch - von Dr. med. Bodo Seidel
Deutschland läuft. Nahezu in
jedem größerem und auch vielen
kleineren Orten existieren mittlerweile Walking- und Lauftreffs. Laufcup – Veranstaltungen
und Marathonläufe boomen auch gerade in M/V. Die Bandbreite, das Alter,
die Motivation der Läufer ist vielschichtig. Bessere Fitness, Körpergewichtsreduktion,
Schmerzlinderung, Schlaflosigkeit, Stressbewältigung, mal einen Marathon
durchstehen seien hier genannt.
Die Trainingsmethoden sind teils sehr different.
Für den Laien sind die Empfehlungen nicht durchschaubar. Die Literatur
gestaltet sich unübersichtlich. Coachs trimmen Läufer zum Marathon
in 100 Tagen. Eben so kompliziert kann sich das Finden des richtigen Laufschuhs
gestalten. Benötige ich Messcomputer, wissenschaftliche Belastungstests,
individualisierte Laufprogramme?
Allgemein kann gesagt werden, einen 10 km Wettkampflauf
schaffen nahezu alle, die keine wesentlichen gesundheitlichen Probleme
haben. Einen Halbmarathon bewältigen noch die meisten mit einem gewissen Trainingspensum, aber
einen Marathon doch deutlich weniger.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt
im Langsamlaufen. Die Anpassung des Körpers und seiner Organsysteme
bedarf einer gewissen Trainingsdauer. Recht schnell reagieren das Gefäß-
und Herzkreislaufsystem, verzögerter die Muskulatur, Bänder und
Sehnen, also das Stütz- und Bewegungssystem, noch langsamer die Knochen
und erst mit Jahren das Nervensystem.
Es existieren Studien, die zeigen,
dass sich das Gehirn eines Trainierten für eine gleiche Intelligenzleistung
weniger anstrengen muss als das eines Untrainierten.
Der Laufstil sollte natürlich sein mit vorgebeugtem Oberkörper
und angewinkelten Armen mit lockeren Schultern und Händen.
Das Aufsetzen
der Füße entspricht dem eigenen Stil und ist weder ein Vorfußlaufen
noch ein Landen auf der Ferse bei gestrecktem Bein. Tempo und Schrittlänge
wachsen mit dem Trainingszustand.
Nach längerer Sportkarenz ist eine sportmedizinische
Untersuchung mit besonderer Beachtung des Bewegungs- und Herzkreislaufsystems
zwingend zu empfehlen.
Ergometrie, besser Laufbandtest auch mit Laktatmessung,
gegebenenfalls eine Echokardiografie stellen sinnvolle Ergänzungen dar.
Zur Trainingsüberwachung eignen
sich spezielle Pulsuhren oder einfach das morgendliche Pulsmessen. Ist
dieser am Tage nach einem Lauf um ca. 10 Schläge erhöht, war
das Training zu hart. In der Gruppe funktioniert die Tempoprüfung
noch einfacher, man muss sich zu jeder Zeit noch unterhalten können.
Langsam starten schützt vor
schnellem Aufgeben. Anfänglich sind 3 Läufe pro Woche von 30 bis
40 Minuten zu empfehlen. Schon nach 12 Wochen kann man dann Einheiten bis 60
Minuten ausdehnen.
Einen Marathon raten wir erst nach ca. 2 Jahren regelmäßigem
Training. Optimal sollte dieser an der aeroben Laktatschwelle von 2,0 mmol/l
vorbereitet werden, absolvieren kann man ihn dann an der aerob- anaeroben
Schwelle.
Laufen mit großer Anstrengung nimmt den Spaß und
provoziert Sportverletzungen infolge Über- und Fehlbelastung. Mindestens
einmal pro Woche sollte Basisgymnastik zur Muskelkräftigung durchgeführt
werden. Dehnübungen mit ca. 3 Wiederholungen je Muskelgruppe und Bein,
auch Arme sollten nach jedem Training selbstverständlich sein.
Laufen
kann also von nahezu Jedem erlernt werden. Trainingspläne sind
nach persönlicher Kenntnis, am besten gemeinsamen Laufen für Einsteiger
bis zum Marathonläufer zu erstellen. Der Trainingspuls sollte nicht
zu sehr nach allgemeinen Formeln sondern individueller bestimmt werden. Laktatfeldtests
sind hier besonders geeignet. Wissen auch um den Umgang mit Fehlschlägen
oder Enttäuschungen und Verletzungen erleichtert das Abenteuer Lauf.
Als begeisterter mittlerweile dreimaliger Marathonläufer,
betreuender Sportarzt im Olympiastützpunkt M/V habe ich zur Vermittlung
und Weitergabe des Wissens um das Laufen mit 2 ärztlichen Kollegen mit
besonderen Schwerpunkten in der Ernährungsmedizin und der Neurophysiologie
und einem auch im Spitzensport erfahrenem Trainingswissenschaftler ein Laufseminar
gegründet.
Wir werden im schönen Mecklenburger Land, z. B. in Feldberg in Kooperation
mit der dortigen Rehabilitationsklinik oder im Hotel Bornmühle am Tollensesee
unter Erweiterung mit Höhentraining aber auch zum Beispiel auf Rügen
3-tägige Seminare anbieten und bei Bedarf Aufbauseminare und Langzeitbetreuungen
bis hin zum gemeinsamen Marathonerlebnis. Sollte dies ihr Interesse finden
oder auch eine Empfehlung für ihre laufwilligen und –begeisterten
Patienten sein, so informieren sie sich doch einfach unter www.lauf-doch.de.